fünfzehn cent. so viel gilt der büttner jetzt, der ganze Büttner, siebenhundertsechsundachtzig seiten (und die Vier, die keiner mitzählt), ein Leben, angeboten unter „gebraucht, guter zustand”, als ließe sich das vom leben überhaupt sagen. jemand wird ihn nehmen für den preis eines gedankens, wird ihn vielleicht nie aufschlagen, stellt ihn ins regal wo er verstaubt und dabei irgendwie weiterlebt, ein Staubleben, auch das ein leben. oder er kommt in eine kiste, kellerfeucht, und die seiten wellen sich zu einem Meer das niemand mehr befährt.
fünfzehn cent auf siebenhundertsechsundachtzig seiten, das macht (ausgerechnet, nachts, mit dem taschenrechner der eigentlich das telefon ist) nicht einmal einen fünfzigstel cent je seite, wie ich das lese ist es wieder Morgen, der gang zur post den ich immer gehe, die Lahn entlang, das päckchen unterm arm, meinen eigenen büttner, ein wort kostet also nichts mehr, ein wort ist unter der Wahrnehmungsgrenze der münze, centunterschritten, die frau wiegt es, klebt die marke drauf, weg ist es. das habe ich geschrieben, Jahre, an dem tisch am fenster wo die tasse steht und immer noch dampft (in der erinnerung Dampft sie immer).
leichter geworden, der weg zurück, der arm, wie mir das fehlt schon, das Gewicht, der käufer, falls es einen gibt, zahlt mehr fürs porto als fürs buch, trägt die Portoseele nach hause, draußen die Lahn die einfach weiterfließt ob ich schreibe oder nicht, das buch ist beigabe, ist das was rausfällt wenn man das päckchen aufreißt, ach, das auch noch. trotzdem sitze ich am nächsten morgen wieder da, lege noch eins dazu und noch eins, als hätte das gewicht, als wöge das Seitengewicht irgendetwas auf der waage die es nicht gibt.
die jahre die ich da gesessen habe, die keiner mitzählt so wie die vier seiten, einmal, damals, dachte ich das wird ein Buch, das bleibt, das steht dann irgendwo und einer nimmt es und liest, jetzt steht es da für fünfzehn cent und einer nimmt es vielleicht wirklich, das ist ja, wenn ich es recht bedenke, genau das was ich wollte, nur billiger als gedacht, viel billiger, trotzdem, sag ich mir, Trotzdem.
morgen, wenn kein käufer kam, steht der preis vielleicht bei zwölf, bei zehn, ein langsames Abwärtszählen bis auf den grund wo die bücher liegen die man verschenkt, ich büttnere weiter, schreibe die nächste seite als wäre sie die erste, als wüsste ich nicht (ich weiß es doch) wohin das führt, wieviel das wiegt am ende, in gramm, in cent, in einem versandkarton, gehe wieder zur post, die Lahn entlang, das licht, trage was ich habe, komme leichter zurück, setze mich hin, fange an.
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METALABOR
Raum und Zeit für noch nicht Gedachtes, nicht Gesagtes, nicht Getanes.
Vierter bis sechster September 2026, Grand Hotel Europa, Villmar (Lahn)
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